Bericht aus der Praxis: Digitale BO-Woche an der Petrischule

Petrischule - Oberschule der Stadt Leipzig. Quelle: http://www.petrischule-leipzig.de/

Berufsorientierungswoche mal anders – DIGITAL!

Diana Fettin
Petrischule – Oberschule der Stadt Leipzig
ZAW Zentrum für Aus- und Weiterbildung Leipzig GmbH

Die aktuellen Umstände, wie sie sich aus der Coronapandemie und den damit einhergehenden landesweiten Schulschließungen ergeben haben, machen es schwierig, Projekte im Bereich der Berufsorientierungsarbeit mit Schüler*innen zu realisieren. Hiervon war auch unser Vorhaben, einer bereits lange geplanten Berufsorientierungswoche für die achten Klassen der Petrischule in Leipzig durchzuführen, betroffen.

Unser ursprünglicher Plan war es, die Woche voller anregender BO-Angebote vom 25.01. bis zum 29.01.2021 stattfinden zu lassen. Der Lockdown im Dezember letzten Jahres ließ uns aber bereits ahnen, dass die Umsetzung als Präsenzveranstaltung höchst unrealistisch ist. Im Sinne des Ziels, die Schüler*innen auch in der aktuellen Situation bestmöglich bei ihrer beruflichen Orientierung zu unterstützen, entschieden das Lehrer*innenkollegium und die Schulleitung, den Plan nicht aufzugeben, sondern eine Alternative zu finden. Nun war es an uns, dem Berufsorientierungsteam der Schule, bestehend aus Herrn Jacob (Fachlehrer WTH, TC, Sport) und mir, in relativ kurzer Zeit etwas auf die Beine zu stellen – und zwar eine DIGITALE Berufsorientierungswoche!

Zeitlich justierten wir neu und planten nun für den Zeitraum vom 08.02. bis zum 12.02.2021. Es zeigte sich, dass unsere Erfahrungen aus den zurückliegenden Jahren, die bis dato aufgebauten Kontakte und die frühe Planung Gold für das Gelingen unseres Vorhabens wert waren. Während Herr Jacob in erster Linie die Vorbereitungsarbeiten im schulischen Zusammenhang verantwortete, sich mit seinen Kolleg*innen absprach, die Videokonferenzen in den einzelnen Fächern terminierte und die technische Umsetzung absicherte, konzentrierte ich mich darauf, externe Partner*innen zu überzeugen und für die Mitwirkung zu gewinnen.

Unsere Umsetzungsidee der BO-Woche bestand darin, dass die Schüler*innen virtuell sowohl reguläre Unterrichtseinheiten besuchen als auch konzentrierte BO-Inhalte, die z.T. durch unsere Partner*innen aus der Wirtschaft mitverantwortet werden sollten, vermittelt bekommen. Die Fachlehrer*innen versorgten die teilnehmenden Schüler*innen darüber hinaus mit BO-relevanten Aufgaben, welche ergänzend und unabhängig von den Videokonferenzen zu bearbeiten waren. Wichtige Impulse für die Umsetzung unseres digitalen Angebotes gewannen wir auch durch Internetrecherchen.

Im Rahmen dessen und durch Hinweis von Seiten einer Kollegin stieß ich auf das Angebot von www.deinerstertag.de. Nach dem Telefonat mit Frau Kalcher waren wir überzeugt, dass ihre ‚digitale BO-Einheit‘ fester Bestandteil unserer BO-Woche sein wird und buchten umgehend das entsprechende Angebot. So absolvierten sie u.a. einen Stärkentest, bei dem verschiedene Fragen beantwortet werden mussten, um am Ende eine Auflistung von beruflichen Bereichen zu erhalten, die zu ihnen passen könnten. Das war dann auch der Ausgangspunkt für einen nachfolgenden Programmpunkt: die Schüler*innen konnten sich nun interessengeleitet und für ihre Stärken sensibilisiert, verschiedene Berufe in 360°-Videos anschauen. Da aktuell ja keine Betriebserkundungen o.ä. stattfinden können, war dies zumindest eine gute Möglichkeit, das Wissen um Interessen und Stärken mit beruflichen Bildern zu verknüpfen.

Schon im letzten Jahr haben wir Herrn Kothe von der Siemens AG als Partner für die Umsetzung unserer BO-Woche gewinnen können. Auch dieses Jahr ließ er sich gern überzeugen und zeigte sich durchaus angetan von unserem Vorhaben und den entsprechenden Bemühungen. Im Rahmen der digitalen BO-Woche der Petrischule übernahm er den wichtigen Part, die Perspektive von Unternehmen deutlich zu machen, wenn es um Fragen des Bewerbens geht. Er konnte den Teilnehmer*innen unter anderem nahe bringen, welche große Bedeutung heutzutage, neben den stets notwendigen ‚Hard Skills‘, auch die sogenannten ‚Soft Skills‘ haben. Darüber hinaus stellte er allen Schüler*innen den Jobnavigator „Siemens Jona“ vor, der auch verschiedene Tests beinhaltet. Intensiv nutzen die Schüler*innen in dieser Session auch ihre Möglichkeit, den Experten aus der Wirtschaft direkt zu befragen und weitere (Bewerbungs-)Tipps zu erhalten.

Da es gegenwärtig auch vielen Berufsberater*innen nicht oder kaum möglich ist, mit Schüler*innen, v.a. unterhalb von Klassenstufe 9, in Austausch zu treten, war es mir bzw. uns ganz wichtig, dass die Teilnehmer*innen der BO-Woche auch Frau Gatzsch, zumindest virtuell, mal sehen bzw. sie kennenlernen können. Unsere Berufsberaterin hatte sogar etwas Eigenes vorbereitet: Alle Schüler*innen sollten bei www.planet-beruf.de den BERUFE Entdecker durchlaufen und zum Schluss die Ergebnisse abspeichern. In Absprache mit den WTH-Lehrer*innen werden die Daten später, sobald Präsenzunterricht wieder möglich sein wird, abermals aufgegriffen, um hieran weiterzuarbeiten.

Für einen gelungenen Abschluss unserer BO-Woche sorgten schließlich unsere Schulsozialarbeiterinnen, Frau Böhr und Frau Knauer (RAA Leipzig e.V.). Sie führten am Freitag mit den Schüler*innen noch eine Art „Telefontraining“ über die Konferenzfunktion von LernSax durch. In Vorbereitung hierauf gab es von ihnen einen theoretischen Input. Sie vermittelten sehr anschaulich, wie man sich auf ein solches Telefonat, zum Beispiel für eine Praktikumsanfrage, gut vorbereitet – was sollte man parat halten? Wie melde ich mich am Telefon? Oder: Auf welche Art und Weise formuliere ich mein Anliegen. Die praktische Erprobung in der Konferenz war dann auch sehr lehrreich, auch weil die Gespräche nachträglich analysiert und diskutiert wurden. Diese Form der Übung war so anregend, dass nun vorgesehen ist, das „Telefontraining“ auch nach der BO-Woche weiterzuführen.

Freundlicherweise haben alle Verantwortung tragende Akteur*innen, die an unserer BO-Woche teilgenommen haben, den Schüler*innen das Angebot gemacht, dass sie sich auch im Nachhinein mit Fragen an sie wenden können.

Es bleibt abschließend festzustellen, dass gegenwärtig die Berufsorientierungsarbeit sichtbar erschwert ist und vieles tatsächlich nicht umgesetzt werden kann. Allerdings können manchmal auch und vor allem im Team gute Ideen entwickelt und realisiert werden. Unbestreitbar ist, dass die digitale Umsetzung unserer BO-Woche gelungen ist und für die Schüler*innen einen echten Mehrwert darstellt, ihre Berufsorientierungskompetenzen weiter zu entwickeln.

Gern möchte ich mich, auch im Namen unserer Schule und des BO-Teams, nochmals herzlich bei all jenen bedanken, die zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben.